Community-Links

Von Menschen
Für Menschen...

Hauptmenü

Sie befinden sich hier:

Cannabiskonsum ist nicht harmlos

„Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind - das zeigt, dass Sie das Thema alle beschäftigt“, eröffnet Nora Hohls, Fachbereichsleiterin Psychosoziale Dienste der AWOIntegra gGmbH, den Fachtag „Alkohol nein – Cannabis ja?“ im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen. Der Einrichtungsverbund „Sucht“ der AWO Bremen, hatte den Fachtag organisiert, den zahlreiche Fachkräfte aus dem Bereich der Suchthilfe, namhafte Referent*innen sowie beteiligte Kooperationspartner*innen besuchten. Zu dem Einrichtungsverbund gehören das Betreute Wohnen, das Wohnheim Intensiv Betreutes Wohnen im Akazienhof sowie die Übergangswohnheime Haus Blumenthal und Haus Neuland.

Im Fokus der Veranstaltung stand die gleichzeitige Abhängigkeit von Alkohol und Cannabis, die bei Menschen mit einer Suchterkrankung immer mehr zunimmt. Fachkräfte beobachten in ambulanten und stationären Einrichtungen der Suchthilfe eine Verlagerung des Suchtverhaltens hin zum Cannabiskonsum. Von Verharmlosung bis Dramatisierung sei bei dem Thema alles vorhanden, berichtet Eva Carneiro Alves, Vorsitzende der Bremischen Landesstelle für Suchtfragen, die den Fachtag moderierte. Unterstützt von mehreren informativen Vorträgen lud die Fachveranstaltung zur Information, Diskussion und zum Austausch ein.

Fachvorträge zum Thema Cannabiskonsum

Mit einem Überblick über die „Entwicklung von Cannabisabhängigkeit“ beginnt Gunter Burgemeister, Chefarzt der Fachklinik Oldenburger Land, die Vortragsreihe. Es gebe durchaus sowohl eine Toleranzentwicklung bei Cannabiskonsum als auch Entzugssymptome, sagt er. Acht bis zehn Prozent der Konsumenten entwickelten eine Abhängigkeit. Der jugendtypische Probierkonsum sei dabei besorgniserregend gestiegen und auch das Einstiegsalter werde immer jünger. „Die Prävention ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und muss in der Schule, der Familie und der Gemeinde realisiert werden“, stellt er abschließend fest.

Ob eine Abgrenzung zwischen körperlicher und psychischer Abhängigkeit sinnvoll ist, erörtert anschließend Gunther Eichstädt, Chefarzt der Fachklinik Bassum. „Ist Zittern und Nervosität Ausdruck körperlichen oder psychischen Entzugs?“, fragt er und gibt eine mögliche Antwort: „Der Kopf gehört zum Körper dazu.“ Sein Fazit: Eine sinnvolle Abgrenzung gestaltet sich schwierig.

Maan Nakkash, Stationsarzt in der Abteilung für Suchtmedizin im Zentrum für Psychosoziale Medizin im Klinikum Bremen-Ost, stellt anschließend die These zur Diskussion, dass Suchtverlagerung auch sinnvoll sein kann. Die Folgen von Cannabiskonsum können sein: Angst, Depression und psychotische Symptome. Um diese Gefahren zu vermindern, schlägt er statt eines Verbotes eine staatliche Qualitätssicherung vor. Alkohol sei zwar wesentlich gesundheitsschädlicher als Cannabis, doch stellt er auch die negativen Folgen des Cannabiskonsums fest. „Wenn ein Patient es jedoch schafft, durch den Konsum von Cannabis einen Alkohol-Rückfall zu vermeiden, kann es trotz der negativen Folgen eine Schadensminderung darstellen.“, so der Arzt.

Die Möglichkeiten und Schwierigkeiten beim Nachweis eines THC-Konsums veranschaulicht Dr. Lars Wilhelm, Leiter der Toxikologie im LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen. Inzwischen sei es möglich, mit modernen Methoden einen Konsum zeitlich genau einzugrenzen. Problematisch sei nach wie vor der Nachweis synthetischer Cannabinoide.

Thomas Preußer-Griep von der Ambulanten Suchthilfe Bremen stellt anschließend „Ambulante Angebote für Menschen mit problematischem oder abhängigem Cannabiskonsum“ vor. Die Ambulante Suchthilfe bietet Beratung für volljährige Suchtmittelkonsumenten, es gibt differenzierte Gruppenangebote sowie eine Onlineberatung. Eine ambulante Sucht-Rehabilitation sowie ein Nachsorgeangebot ergänzen die Beratung.

Mit einem positiven Resümee von Eva Carneiro Alves endet der gut besuchte Fachtag und die Teilnehmer*innen gehen mit zahlreichen neuen Eindrücken und Inspirationen für die weitere Arbeit nach Hause.

Präsentationen der Referent*innen anfordern

Über eine E-Mail an fachtag@awo-bremen.de können Interessierte die Präsentationen der Referent*innen anfordern.

Der Fachbereich Psychosoziale Dienste der AWO Bremen ist an einer Fortführung des fachlichen Austausches interessiert.

 

nach oben